HÄRTEN UND
VERGÜTEN
Wird
unlegierter Stahl von der Austenitisierungstemperatur normal abgekühlt,
so entsteht das übliche FERRIT-PERLIT GEFÜGE. Bei höherer
Abkühlungsgeschwindigkeit entsteht der sehr harte MARTENSIT.
Der
Kohlenstoff (C) muß beim Abkühlen des Austenits diffundieren, was
ziemlich langsam geht, um kleine Zementitteilchen zu bilden. Damit wird
der Austenit C frei. Jetzt erst kann er sich in Ferrit umwandeln.
Bei
schnellster
Abkühlung kann der C nicht mehr diffundieren, er bleibt im Austenit
zwangsgelöst. Trotzdem möchte sich der Austenit zu Ferrit umwandeln,
was zu enormen Gitterverspannungen und Deformationen führt, da die
Ferritelementarzelle keinen C aufnehmen kann. Es entsteht so ein
Kubisch raumzentriertes ähnliches Atomgitter mit zwangsgelösten
C-Atomen und tetragonal aufgeweiteten Elementarzellen. d.h. MARTENSIT
EINSATZHÄRTEN:
(Thermochemisch)
Extrem
weich und zäh sind nur C-arme Stähle unter 0,25% C. Soll die Oberfläche
solcher Stähle gehärtet werden, muß sie vorher aufgekohlt werden. Beim
Aufkohlen C-armer Einsatzstähle wird die Randschicht in gewünschter
Dicke auf bis zu 1% C angereichert. Nach anschließenden Härten mit
nachfolgenden anlassen (Einsatzhärten) ist die Randschicht sehr hart,
der Kern bleibt (wenig C) weich, auch wenn er mit gehärtet werden
sollte.
Das
Aufkohlen geschieht für etwa 900 – 950°C durch eindiffundieren von
C-Atomen in das g Eisen. Je höher die Kohlungstemperatur, desto
schneller erfolgt die Aufkohlung. Zu hohe Temperaturen führen jedoch zu
der bekannten Kornvergröberung, so das 950°C nur ausnahmsweise
überschritten werden sollte.
Das
Ergebnis des Einsatzhärtens wird als Oberflächenhärte und
Einsatzhärtungstiefe „Eht" angegeben.
Verschiedene
Aufkohlungsverfahren:
PULVERAUFKOHLUNG;
GASAUFKOHLUNG; SALZBADAUFKOHLUNG
RANDSCHICHTHÄRTEN:
FLAMMHÄRTEN:
Das
Flammhärten ist ein rein thermisches Randschichthärtungsverfahren d.h.
das während der Wärmebehandlung die chemische Zusammensetzung des
Stahles nicht verändert wird.
Die
verwendeten Stählte müssen demnach zum Erreichen gewünschter
Oberflächenhärte ausreichen C (mind. 0,3 %) enthalten. Die
Werkstückoberfläche wird mit einer Gasbrennerflamme rasch aufgeheizt
und sofort anschließend mit einer Wasserbrause abgekühlt. Die maximale
Dicke der gehärteten Randschicht hängt von der mögliche
Einhärtungstiefe des verwendeten Stahles ab. So kann z.B. unlegierter
Stahl bis 1,2 mm Randschichtdicke gehärtet werden. Die Abkürzung für
die Einhärtungstiefe ist „Rht".
Induktionshärten:
Das
Induktionshärten ist mit dem Flammhärten identisch, bis auf das
Erwärmen des Werkstücks.
Beim
I. H. wird das Werkstück mit Hilfe von elektrischen Spulen induktiv
erwärmt.
Nitrieren
Wie
der C so erhöhen auch andere in die Randschicht von Stahl eingebrachten
Elemente wie z. B. Stickstoff (N) deren Härte.
Der
prinzipielle Unterschied zum C besteht in der Verbindungsbildung dieser
Elemente mit dem Eisen. N diffundiert ab ca. 500°C in die
Stahloberfläche ein, dabei bildet sich durch Reaktion mit Eisen ein 10
– 20qm dicke Eisennitriedschicht sehr großer Härte. Die
Behandlungstemperatur spielt eine wichtige Rolle. Reine N-Diffusion
findet bei 500 – 580°C statt. Bei dieser relativ niedrigen
Nitriertemperatur dauert der Diffusionsprozess sehr lange. Übliche
Nitrierzeiten dauern 40 – 90h. Mit zunehmender Temperatur wird die
Prozessdauer kürzer, jedoch diffundiert jetzt auch C ein und dieses
Verfahren nennt man Nitrocarburieren. - Temperaturen zwischen 580 –
600°C
Nitrierschichten
lassen sich durch eindiffundieren von N auf nahezu allen Stählen und
Gusseisen erzeugen, dabei spielt der Zustand des Werkstoffes keine
Rolle. Es können auch gehärtete oder vergütete Werkstoffe nitriert
werden. Nitrierte Werkstücke haben eine sehr gute
Korrosionsbeständigkeit. Ein weiterer Vorteil gegenüber dem
Einsatzhärten besteht darin, dass nach dem Nitrieren kein Abschrecken
erfolgen muss, also kein Verzug oder Risse entstehen. Nitrierte
Werkstücke können vor dem Nitrieren auf Maß bearbeitet werden.
-Nitrierschicht
ist spröde und neigt zum Abplatzen