Glühen

WEICHGLÜHEN:
Besonders übereutektoide Stähle (Kohlenstoff >0,8%) müssen sehr langsam abgekühlt werden, da die Glühtemperatur über der Umwandlungstemperatur liegt und zu rasches abkühlen hartes Umwandlungsgefüge ergebe. Durch das Glühen wird der im Perlitkorn LAMELLAR (streifig) angeordnete ZEMENTIT zu rundlichen Teilen eingeformt, man nennt ihn dann den KÖRNIGEN ZEMENTIT.
Beim Zerspanen müssen die Zementitkugeln nicht zerschnitten sondern nur im weichen Ferrit verschoben werden.


NORMALGLÜHEN: (normalisieren; umkörnen)
Das Normalglühen hat den Zweck, ungleichmäßige oder grobkörnige Gefüge in den normalen also gleichmäßigen und feinkörnigen Zustand zu bringen. Dazu werden die Werkstücke langsam auf Temperatur gebracht (über der Umwandlungstemperatur) Sodas sich das Gefüge in Austenit umwandelt und der Zementit sich auflöst. Der Austenit wandelt sich bei langsamer Abkühlung dabei in feinkörniges Perlitgefüge um.

Merke: Das Normalglühen führt durch austenitisieren und langsamen abkühlen zu feinkörnigen Perlitgefüge. Es wird immer dann angewandt, wenn unregelmäßige grobe Gefüge schlechte Materialeigenschaften erwarten lassen.



SPANNUNGSARMGLÜHEN: (Temperatur unter Umwandlungstemperatur)
Durch ungleichmäßige Abkühlung nach dem Gießen, durch schmieden, walzen oder schweißen und durch Umformung entstehen elastische Spannungen. (so genannte EIGENSPANNUNGEN)
Durch das Spannungsarmglühen von mehreren Stunden und langsames abkühlen werden die Eigenspannungen auf den Wert der Warmdehngrenze abgebaut.

Merke: Maßgenaue Bearbeitung von Werkstücken mit hohen Eigenspannungen ist nicht möglich, es kommt zu Verformungen und/oder Rissen.

REKRISTALLISATIONSGLÜHEN: (Zwischenglühen)

Kaltverformung bewirkt eine Verfestigung des Werkstoffes. Teile die sehr stark kaltverformt werden, z.B.Tiefziehen, können nicht in einem Arbeitsgang verformt werden, da sie reißen würden. Durch Rekristallisationsglühen etwa 1 – 1,5 h und Luftabkühlung werden Verfestigung und Kristallstreckung (TEXTURE) rückgängig gemacht, die Teile können erneut kaltverformt werden. Die Rekristallisationsglühung macht die bei der Kaltverformung entstandene Verfestigung des Werkstoffes durch Bildung neuer Körner wieder rückgängig.

DIFFUSIONSGLÜHEN